Vor fünf Jahren sorgte die Eisenstangen-Attacke für Riesenwirbel in Frankreich, nun muss sich die frühere Fußball-Nationalspielerin Aminata Diallo wegen mutmaßlicher Beteiligung am Überfall auf ihre Ex-Teamkollegin Kheira Hamraoui vor Gericht verantworten. Wie laut Nachrichtenagentur AFP aus einer richterlichen Anordnung hervorgeht, wird der 31-Jährigen Beihilfe zu Gewalttaten sowie Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Der Ermittlungsrichter wirft Diallo vor, den Angriff auf ihre damalige PSG-Mitspielerin in Auftrag gegeben und die Täter zum Tatort geleitet zu haben. Neben Diallo müssen sich sechs weitere Personen verantworten. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest.
Hamraouis Anwälte begrüßten in einem Statement den Abschluss der Ermittlungen: "Nach fünf langen Jahren der Untersuchung dieses Falls ist es eine große Erleichterung, dass sie zu einem Abschluss gekommen sind und es bald einen Prozess geben wird. Die ganze Wahrheit wird endlich in dieser Gewaltaffäre ans Licht kommen." Diallos Lager kritisierte dagegen die Ermittlungen scharf. "Es hat weder eine Bestrafung noch Fragen angesichts der Methoden gegeben, die im Rahmen der Untersuchung gegen Aminata Diallo angewandt wurden, die zudem von falschen Aussagen durchsetzt ist", sagte ihr Anwalt.
Angriff wie im Eiskunstlauf
Die 39-fache Nationalspielerin Hamraoui war im November 2021 nach einem Mannschaftsessen von zwei maskierten Männern überfallen worden, als sie mit Diallo in einem Auto saß. Die Täter schlugen ihr mit Eisenstangen auf die Knie, sieerlitt Wunden, die im Krankenhaus genäht werden mussten. Diallo soll während des Angriffs festgehalten worden sein, wurde aber nicht verletzt. Als möglicher Grund für den Angriff steht im Raum, dass Diallo mit dem Ausfall von Hamraoui ihre EInsatzchancen bei PSG verbessern wollte.
Das Szenario erinnert an den Eisenstangen-Angriff im Eiskunstlauf 1994 als Nancy Kerrigan während der US-Meisterschaft von zwei Männern attackiert wurde. Der damalige Mann von Tonya Harding - Kerrigans größter Konkurrentin - hatte die Tat in die Wege geleitet. Harding gestand erst Jahre später, von dem Überfall gewusst zu haben.
Die heute 36-jährige Hamraoui scheiterte im vergangenen Jahr mit einer Klage gegen PSG auf 3,5 Millionen Euro Schadenersatz. Sie hatte dem Klub vorgeworfen, sie nach dem Angriff nicht ausreichend unterstützt zu haben. Nach ihrem Abschied aus Paris 2023 setzte sie ihre Karriere zunächst in Mexiko und anschließend in Saudi-Arabien fort. Bei Al-Hilal endete ihr Vertrag im Sommer.
Diallo war nach ihrer Zeit in Paris zu Levante UD und schließlich ebenfalls nach Saudi-Arabien zu Al-Nassr gewechselt. Seit zwei Jahren spielt sie nicht mehr. Für Frankreich absolvierte sie sieben Partien. Die beiden galten vor der Tat als Freundinnen, waren mehrfach zusammen mit anderen Spielerinnen im Urlaub gewesen.
