Entscheidung erst Anfang 2027Pistorius prüft zwei Alternativen für gescheitertes FCAS-Projekt

Der Druck auf Verteidigungsminister Pistorius wächst. Nach dem Scheitern des Kampfjet-Projekts FCAS drängen Airbus und die japanische Regierung auf eine schnelle Lösung. Pistorius kündigt nun zwei Möglichkeiten für Deutschlands künftigen Kampfjet an.
Nach dem Scheitern des deutsch-französisch-spanischen Rüstungsprojekts FCAS stellt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius einen Grundsatzbeschluss über eine Alternativlösung für Anfang 2027 in Aussicht. "Mein Ziel ist es, eine Richtungsentscheidung im ersten Quartal des nächsten Jahres zu treffen", sagte der SPD-Politiker im Interview mit den Funke-Medien.
"Auf dem Tisch liegen zwei Optionen - eine Beteiligung am Global Combat Air Programm von Briten, Italienern und Japanern. Da sind wir in Gesprächen. Wir müssen zum Beispiel prüfen, ob eine Beteiligung Deutschlands zu einer größeren Zeitverzögerung führen könnte, die für alle Beteiligten kaum akzeptabel wäre", sagte Pistorius.
Als zweite Option könne Airbus gemeinsam mit anderen europäischen Partnern ein eigenes Projekt für den Anfang der 40er Jahre entwickeln. "Ich habe großes Interesse daran, dass die deutsche Luftfahrtindustrie bei dem Projekt eine Rolle spielt", sagte Pistorius auf die Frage, ob Deutschland selbst die Führung bei einem neuen Kampfflugzeug übernehme. "Aber allein kann sie das nicht stemmen, das sagen die Unternehmen selbst."
Druck von Airbus und Japan
Airbus hatte auf eine schnellere Entscheidung gehofft, als sie nun von Pistorius anvisiert wird: Rüstungschef Michael Schoellhorn hatte Anfang der Woche der "Augsburger Zeitung" gesagt: "In Deutschland sollte es eine Entscheidung bis zum Jahresende geben, die auch das Interesse der deutschen Luftfahrtindustrie berücksichtigt". Das FCAS-Projekt zur Entwicklung eines Kampfjets der sogenannten sechsten Generation war gescheitert, weil der französische Hersteller Dassault auf einer dominierenden Rolle bestand.
Auch Japan hatte signalisiert, dass eine Entscheidung bis zur Jahreswende wünschenswert wäre. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei seinem Besuch in Tokio Ende Oktober eine Zusammenarbeit mit Japan beim Kampfjetbau ins Gespräch gebracht. Diese Möglichkeit werde bereits geprüft, sagte Merz. Allerdings wisse er nicht, ob man dem japanischen Wunsch nachkommen könne, bis Jahresende eine Entscheidung zu haben.
Anfang Oktober hatte der britische Premierminister Andy Burnham Deutschland angeboten, an der Entwicklung eines Kampfflugzeugs im Rahmen des sogenannten GCAP-Programms teilzunehmen. Das von Großbritannien, Japan und Italien entwickelte Kampfflugzeug der sechsten Generation soll ab 2035 einsatzbereit sein und wäre eine Alternative zum US-Modell F-35. Auch der schwedische Rüstungskonzern Saab arbeitet an einem modernen Kampfflugzeug.
