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HessenGetunte E-Scooter: Wenn der Roller viel zu schnell fährt

08.11.2026, 04:02 Uhr
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Ein E-Scooter in Südhessen, der Tempo 85 schafft. Ein 14-Jähriger in Nordhessen, der mit 80 Kilometer pro Stunde erwischt wird. Manipulierte Roller werden zur Gefahr. Wie die Polizei sie aufspürt.

Offenbach/Eppertshausen/Bad Emstal (dpa/lhe) - Ein Griff zur App, ein technischer Umbau - und schon fährt der E-Scooter schneller als erlaubt. Mitunter sogar sehr viel schneller. Was für manche nach mehr Fahrspaß klingt, kann gefährliche Folgen haben. Denn die kleinen Elektroroller sind nicht für beliebig hohe Geschwindigkeiten ausgelegt.

Anders als Autos hätten E-Scooter keine Knautschzonen, warnt das Polizeipräsidium Offenbach. Bei einem Sturz oder Zusammenstoß drohen deshalb schwere Verletzungen - nicht nur für die Fahrer, sondern gegebenenfalls auch für andere Verkehrsteilnehmer. Hinzu kommt, dass E-Scooter-Fahrer häufig keine Schutzausrüstung tragen.

Fälle in Eppertshausen, im Kreis Kassel und in Wiesbaden

Es wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Fälle bekannt, in denen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde massiv überschritten wurde. So fiel Mitte Oktober im nächtlichen Eppertshausen (Landkreis Darmstadt-Dieburg) einer Polizeistreife ein E-Scooter-Fahrer auf, der erheblich zu schnell unterwegs war. Sie nahmen den Roller genauer unter die Lupe und stellten fest, dass er eine Höchstgeschwindigkeit von 85 Kilometer pro Stunde erreichen konnte.

Ende September stoppten Polizisten auf einer Bundesstraße bei Bad Emstal (Landkreis Kassel) einen 14-Jährigen, der mit seinem E-Scooter zwischenzeitlich mit Tempo 80 unterwegs war. In Wiesbaden entdeckten die Beamten einen Elektroroller, der 50 Kilometer pro Stunde erreichen konnte - und ohne das vorgeschriebene Versicherungskennzeichen unterwegs war.

Den inoffiziellen Geschwindigkeitsrekord hält ein Schweizer, der der Polizei in Zürich vor rund einem Jahr ins Netz ging: Sein E-Scooter konnte es nach Angaben der Beamten sogar auf Tempo 110 bringen.

Kontrollen in der Nähe von Schulen

Die hessische Polizei zählte im vergangenen Jahr rund 1.500 Unfälle mit beteiligten E-Scootern - fast 40 Prozent mehr als 2024. In wie viele Fälle manipulierte Roller verwickelt waren, geht aus den Zahlen nicht hervor. Ein Blick weiter zurück in die Vergangenheit zeigt die dramatische Entwicklung der Unfallzahlen: Im Jahr 2021 wurden laut Innenministerium 677 Unfälle mit E-Scootern gezählt.

Die Polizei führt in ganz Hessen immer wieder Kontrollen durch, um Manipulierer zu erwischen und frisierte E-Scooter aus dem Verkehr zu ziehen. Besonders häufig schaut die Polizei - oft in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ordnungsämtern - im Umfeld von Schulen genauer hin, wie das Polizeipräsidium Südosthessen erklärt. Dort sind viele junge Fahrer unterwegs, die teilweise noch wenig Erfahrung im Straßenverkehr haben.

Veränderung an Bauteilen und Software-Eingriffe

Überprüft werden E-Scooter laut Polizei bei geplanten Schwerpunktaktionen und im regulären Dienst. Auch bei Unfällen wird genau hingeschaut. Bei den europaweiten "Roadpol"-Kontrollwochen stehen die Elektroroller ebenfalls im Blickpunkt.

Sowohl technische Veränderungen an den Bauteilen des Scooters als auch ein Aufmotzen durch Software-Eingriffe würden bei den Kontrollen festgestellt, teilte das Offenbacher Polizeipräsidium auf Anfrage mit. Wie leicht sich die Veränderungen nachweisen lassen, hänge von der Art des Eingriffs ab. Sind sichtbare Bauteile verändert worden, sei dies meist relativ einfach festzustellen. Bei Software-Manipulationen dauere es länger.

"E-Scooter sind kein Spielzeug"

Doch nicht jede Kontrolle endet mit einem Bußgeld oder einer Anzeige. Die Polizei wolle junge Menschen auch für die Gefahren sensibilisieren, betont der Sprecher. Mit der hessenweiten Kampagne "E-Scooter? Nur mit Plan. Regeln kennen. Sicher ankommen." informiert sie über die wichtigsten Vorschriften: E-Scooter dürfen im öffentlichen Straßenverkehr erst ab 14 Jahren gefahren werden, müssen versichert sein und sind nur für eine Person zugelassen.

Auch Smartphones während der Fahrt sowie Alkohol und Drogen und die Benutzung von Gehwegen können gefährliche Folgen haben. "E-Scooter sind kein Spielzeug: Verkehrszeichen und Ampeln gelten ebenso wie für andere Verkehrsteilnehmende", warnt der Sprecher.

Helm nicht vorgeschrieben, aber empfohlen

Gerade bei Regen und schlechter Sicht komme es außerdem darauf an, gut gesehen zu werden. Die Polizei empfehle zudem, vor jeder Fahrt die Beleuchtung zu überprüfen und die Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen anzupassen, erklärt der Sprecher. Auf nasser Fahrbahn sollten Fahrer ausreichend Abstand halten und vorsichtig bremsen und abbiegen. Ein Fahrradhelm könne bei einem Sturz vor schweren Kopfverletzungen schützen - auch wenn für E-Scooter keine generelle Helmpflicht bestehe.

Zahl der E-Scooter hat sich verdoppelt

Laut Statistiken des Gesamtverbandes der Versicherer (GDV) waren Ende 2025 in Deutschland rund 1,66 Millionen E-Scooter versichert. Drei Jahre zuvor waren es noch knapp 764.000 Elektroroller und damit nicht einmal halb so viele. Vier von fünf E-Scootern sind den Angaben zufolge in Privatbesitz. Beim Rest handelt es sich um Leihroller.

Viele E-Scooter-Unfälle geschehen nach Angaben des Statistischen Bundesamts ohne Beteiligung eines weiteren Verkehrsteilnehmers, der Anteil lag 2025 bei 30,5 Prozent. 16 der deutschlandweit 33 tödlich Verunglückten auf E-Scootern im vergangenen Jahr kamen bei solchen Alleinunfällen ums Leben - und damit fast die Hälfte. Knapp 35 Prozent der Verletzten gingen darauf zurück.

Quelle: dpa

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