HessenInnenminister für Einführung von Handy-Blitzern in Hessen

Nur kurz mit dem Handy am Steuer telefonieren oder eine WhatsApp lesen - das lenkt vom Verkehr ab und kann zu schweren Unfällen führen. Wie könnten solche Autofahrer besser ertappt werden?
Wiesbaden (dpa/lhe) - Die Ablenkung durch ein Mobiltelefon beim Autofahren ist eine häufige Unfallursache - Hessens Innenminister Roman Poseck hat sich deswegen für die bundesweite Einführung von Handy-Blitzern ausgesprochen. "Wer während der Fahrt auf sein Handy schaut, gefährdet sich und andere. Schon wenige Sekunden Ablenkung können schwere Folgen haben", teilte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit.
"Die Überlegungen des Bundes zu einer einheitlichen gesetzlichen Regelung begrüße ich grundsätzlich", ergänzte Poseck. Die Lösung sollte "technologieoffen und möglichst verwaltungsarm sein". Hessens Landesrecht habe keine eigenen Vorgaben dafür. Vor einer Neuregelung ist aus Sicht des Ministers allerdings eine sorgfältige Abwägung erforderlich.
Das seit April 2025 im benachbarten Rheinland-Pfalz genutzte Modell lässt sich laut dem Innenminister "nicht ohne Weiteres auf die Anforderungen der hessischen Polizei übertragen", sie habe sich aber bereits mit dem möglichen Einsatz solcher Systeme befasst. Seit April 2025 setzt Rheinland-Pfalz sogenannte Monocams ein: Eine Kamera filmt den fließenden Verkehr, eine Software erkennt Handys am Steuer, und speziell geschulte Polizeikräfte prüfen die Bilder und leiten bestätigte Fälle an die Zentrale Bußgeldstelle weiter.
Rheinland-Pfalz als Vorreiter
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte kürzlich von sehr guten Erfahrungen mit den Monocams in Rheinland-Pfalz gesprochen. Für eine bundeseinheitliche Lösung brauche es nun eine Regelung im deutschen Straßenverkehrsgesetz. "Auch auf Wunsch der Bundesländer werde ich mich dafür stark machen", erklärte Bilger.
In Deutschland gebe es mehr als 1.000 Unfälle jedes Jahr wegen elektronischer Geräte wie Handys am Steuer - Tendenz steigend. Handy-Blitzer könnten erkennen, ob sich ein Autofahrer von einem Mobiltelefon ablenken lasse.
Laut ADAC wird an einer Autobahnbrücke eine hochauflösende, schräg nach unten gerichtete Kamera angebracht, die vorn in das Auto hinein fotografiert. Das System achtet auf Mobiltelefone im Bereich des Fahrenden und seine Handhaltung. Werden beide Kriterien erfüllt, löst die Kamera aus. Anschließend bewerten geschulte Polizisten die Bilder.
Kontrollen in Hessen
Hessen geht Poseck zufolge auch schon entschieden gegen Handyverstöße vor. Während einer europaweiten Kontrollwoche im Oktober 2025 beispielsweise habe die Polizei bei 5.667 in den Blick genommenen Fahrzeugen 357 Handyverstöße gezählt. "In den Jahren 2023 und 2024 wurden zudem jeweils mehr als 15.000 entsprechende Ordnungswidrigkeitenverfahren geführt", erklärte der Landesinnenminister.
Wer am Steuer beim Telefonieren mit dem Handy erwischt wird, muss laut ADAC mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Bei einer Gefährdung oder dem Verursachen eines Unfalls sind 150 beziehungsweise 200 Euro fällig. Hinzu kommen zwei Punkte sowie ein einmonatiges Fahrverbot.
Telefonieren während der Fahrt ist laut ADAC nicht grundsätzlich verboten. Telefonate über eine Freisprechanlage, ein fest installiertes Fahrzeug-System oder ein Bluetooth-Headset sind erlaubt. Verboten ist es aber, das Handy unterwegs in die Hand zu nehmen oder ans Ohr zu halten.